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Pflegeberatung darf kein Randphänomen bleiben

  • Autorenbild: Heike Teich
    Heike Teich
  • 19. Juli 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Juli 2025



...sie muss der neue Standard werden

Wir reden in Deutschland viel über Pflege. Über Überlastung. Über Fachkräftemangel. Über Verantwortung.

Aber während oben geredet wird, kämpfen unten die Menschen –allein, erschöpft, oft ohne echte Unterstützung: Pflegende Angehörige, die funktionieren, weil sie müssen. Pflegebedürftige, die sich durch ein undurchsichtiges System quälen. Und wir Pflegeberater:innen, die tonnenweise Wissen haben – aber oft nicht dürfen! Was zum Teufel soll das?


Die Realität: Pflichttermin statt Lebenshilfe

Pflegeberatung, wie sie vielerorts stattfindet, ist keine Hilfe – sondern eine Formalie.Ein kurzer Besuch, ein ausgefülltes Formular, eine Unterschrift für die Pflegekasse.

Kein Raum für Sorgen. Kein Platz für echte Lösungen.Keine echte Beziehung.

Viele Beratungen wirken wie ein Kontrollinstrument.Pflegeberatung wird zur Bürokratie – statt zur Brücke zwischen Anspruch und Alltag.


Bund, Länder und Kommunen formulieren Pflege-Tourismus-Programme, finanzieren Beratungsstellen – doch in der Praxis ist das meiste Papier, nicht Praxis. Es fehlt an Nähe!!! Die Schlagworte „Prävention“, „Lebensqualität“ und „Teilhabeförderung“ wirken hohl, wenn sie sich nicht in konkrete Alltagshilfe übersetzen.

Wenn Kompetenz nicht vollständig genutzt werden darf

Wir Pflegeberater:innen bringen Fachwissen mit, Erfahrung und Systemkenntnis. Wir hören zu. Wir verstehen, was im Pflegealltag wirklich passiert.Wir könnten helfen – umfassend, individuell, nah dran.Aber das System setzt uns manchmal Grenzen.


Umfangreichere Beratungen nach § 7a SGB XI dürfen beispielsweise nur von den Pflegekassen selbst oder ihren Beauftragten geleistet werden. Auch wenn wir alles mitbringen, um diese Gespräche gut zu führen, dürfen wir es offiziell nicht tun.


Stattdessen müssen Betroffene weitergeleitet werden – zu den Stellen, die vom System vorgeschrieben sind.

Das kostet Vertrauen! Wenn jemand sich endlich öffnet, Unterstützung sucht, Hilfe annimmt – und dann weitergeschickt wird, wirkt das wie ein Rückschritt. Es ist, als würde man jemanden im Stich lassen, der gerade den ersten Schritt gemacht hat.

Höchste Zeit für eine ganzheitliche Pflegeberatung

Pflege ist komplex.Und Beratung darf nicht mehr geteilt, zerlegt und zerstreut werden.


Ich wünsche mir: Ganzheitliche Beratung, die zuhört, einordnet und begleitet – ohne künstliche Abgrenzungen. Eine klare Zuständigkeit, bei der die Beziehung zum Menschen im Mittelpunkt steht – nicht das Formular.


Faire Vergütung für echte Unterstützung – nicht nur für Protokolle. Ein System, das Pflegeberatung nicht verwaltet, sondern ermöglicht.

Ein Beispiel aus der Realität

Wie Pflegeberatung heute oft aussieht: Frau M., 78 Jahre, pflegt seit sechs Monaten ihren an Demenz erkrankten Ehemann zu Hause.

Der Mann erhält Pflegegeld, ein Beratungstermin ist fällig.Ein:e Berater:in vom Pflegedienst kommt, stellt ein paar Fragen, hakt ein Formular ab.Frau M. sagt wenig – aus Unsicherheit, aus Scham.Sie unterschreibt. Der Termin dauert 15 Minuten.

Niemand erfährt, dass sie seit Wochen kaum schläft, sich überfordert fühlt und Angst hat, dass ihr Mann bald ins Heim muss.


Wie es anders gehen kann – mit begleitender Pflegeberatung:Ich lerne Frau M. in einem ausführlichen Gespräch kennen – bei ihr zu Hause, ohne Zeitdruck.

Wir sprechen über die Pflegesituation, über ihre Erschöpfung, über das, was ihr fehlt – und über das, was ihr Mann braucht, um weiter zu Hause leben zu können.

Wir suchen gemeinsam nach konkreten Lösungen:

→ Welche Entlastungsangebote passen?

→ Welche Hilfsmittel können helfen?

→ Wie kann sie Unterstützung organisieren, ohne alles aus der Hand zu geben?


Ich unterstütze sie beim Antrag auf Verhinderungspflege, informiere über Demenzbegleitung und helfe ihr, sich wieder sicherer zu fühlen im Pflegealltag.

So bleibt ihr Mann in vertrauter Umgebung – und sie bleibt handlungsfähig.

Wir bleiben in Kontakt – auch nach dem Gespräch. Wenn sich etwas verändert, bin ich da.

Frau M. muss nicht mehr alles allein entscheiden

Mein Beitrag vor Ort

Ich bin Pflegeberaterin.

Ich will mitdenken – von Anfang an.

Ich will nicht weiterverweisen, wo ich helfen könnte.

Ich will Lösungen suchen, die tragfähig sind – nicht nur kurzfristig, sondern über Monate, vielleicht Jahre.


Denn Pflege verändert sich. Und Beratung muss mitgehen dürfen.


Pflegeberatung ist kein Extra. Sie ist das Fundament!


Radikal menschlich.

Radikal ehrlich.

Radikal hilfreich.


Pflege ist Beziehung. Beratung auch.


Das ist der Weg, den ich gehen will.

Und deshalb arbeite ich so, wie ich es mir für meine eigene Familie wünschen würde:

Zugewandt. Verlässlich. Menschlich.

 
 
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