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Wenn Worte verblassen – Kommunikation bei fortgeschrittener Demenz

  • Autorenbild: Heike Teich
    Heike Teich
  • 24. Juni 2025
  • 2 Min. Lesezeit

In der Pflege und Begleitung eines geliebten Menschen mit Demenz erleben viele Angehörige einen schmerzhaften Wandel: Die einst so vertraute Kommunikation verändert sich. Gespräche werden kürzer, Missverständnisse häufiger – manchmal bleibt nur noch Schweigen. Doch bedeutet das wirklich, dass keine Verbindung mehr möglich ist?

Die Antwort ist ein klares Nein. Denn auch wenn die Sprache schwindet, bleibt etwas viel Tieferes erhalten: das Bedürfnis nach Nähe, nach Sicherheit und nach Beziehung.

Als Pflegeberaterin erlebe ich oft, wie herausfordernd es für Angehörige ist, mit einem geliebten Menschen zu kommunizieren, der an einer fortgeschrittenen Demenz leidet. Worte scheinen ins Leere zu laufen, Gespräche drehen sich im Kreis oder führen zu Frust auf beiden Seiten.

Doch es gibt Wege, die Brücken bauen – auch ohne viele Worte.



Was passiert bei fortgeschrittener Demenz?

Demenz ist mehr als nur Vergesslichkeit. Mit fortschreitender Erkrankung kommt es zu tiefgreifenden Veränderungen im Gehirn: Die Fähigkeit, Sprache zu verstehen, Worte zu finden oder sich zeitlich und räumlich zu orientieren, nimmt ab. Viele Betroffene verlieren zunehmend den Zugang zur verbalen Kommunikation.

Doch das emotionale Gedächtnis – das, was Menschen fühlen, spüren und durch Nähe erleben – bleibt oft erstaunlich lange erhalten. Ein liebevoller Blick, eine sanfte Berührung, ein vertrauter Duft oder eine bekannte Melodie können mehr bewirken als viele Worte.



Kommunikation auf einer anderen Ebene

Kommunikation endet nicht dort, wo Sprache versagt. Sie verlagert sich – in Mimik, Gestik, Tonfall, Blickkontakt, Berührung. Umso wichtiger ist es, diese nonverbalen Signale wahrzunehmen und sensibel zu deuten.


Worte können vergessen werden. Gefühle bleiben. Ein Mensch mit Demenz erinnert sich vielleicht nicht mehr an den Besuch – aber er erinnert sich daran, wie er sich dabei gefühlt hat.



Praktische Tipps für den Alltag


1. Weniger ist mehr: Einfach sprechen

  • Verwende kurze, klare Sätze.

  • Sprich langsam, deutlich und freundlich.

  • Formuliere nur einen Gedanken pro Satz.

  • Stelle einfache Ja/Nein-Fragen: „Möchtest du Tee?“ statt „Was willst du trinken?“


2. Körpersprache bewusst einsetzen

  • Ein Lächeln sagt oft mehr als tausend Worte.

  • Setze dich auf Augenhöhe – nie von oben herab.

  • Sanfte Berührungen an Hand oder Schulter schaffen Vertrauen.

  • Ein warmer Tonfall beruhigt, auch wenn der Inhalt nicht verstanden wird.


3. Korrigieren? Nicht nötig.

  • Widerspreche nicht, wenn dein Angehöriger etwas Falsches sagt.

  • Für ihn ist es in diesem Moment wahr – eine Korrektur verwirrt oder verletzt.

  • Vermeide Diskussionen, die ins Leere laufen.



Zuhören mit allen Sinnen

Manchmal ist es nicht das, was gesagt wird, sondern wie es gesagt wird. Oder: was nicht gesagt wird. Unruhe, Rückzug, aggressives Verhalten oder ständiges Wiederholen können Hinweise sein auf Überforderung, Angst oder unerfüllte Bedürfnisse.

Frage dich:

  • Könnte es zu laut, zu hell, zu hektisch sein?

  • Fühlt sich mein Angehöriger überfordert oder allein?

  • Was möchte er mir vielleicht ohne Worte mitteilen?



❤️ Beziehung erhalten – trotz Demenz

Viele Angehörige erleben im Verlauf der Erkrankung einen schmerzhaften Abschied in Etappen. Doch trotz aller Veränderungen: Der Mensch bleibt – mit seiner Würde, seiner Geschichte, seiner Einzigartigkeit.

Rituale, Berührungen, Musik, Bilder oder der Duft des Lieblingsessens – all das sind Zugänge zu einer tieferen Verbindung.

„Vielleicht erkennt sie mich nicht mehr. Aber sie spürt, dass ich da bin.“

 
 
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